Trainieren Sie noch richtig?

Wie werden Seminare didaktisch so maßgeschneidert, dass jeder Teilnehmer das mitnimmt, das bei ihm die größte Chance hat, in sein tägliches Verhalten übernommen zu werden?

Innerhalb der Personalentwicklungs-Programme haben nicht selten die Seminare Konjunktur, die dem Vorgesetzten am besten gefielen. Seine Fähigkeiten, seine Eigenschaften und seine Bedürfnisse wurden angesprochen. Und nach der Melodie "Was mir gut tut, tut auch Dir gut" besucht einer nach dem anderen aus der Abteilung das gleiche Seminar - was seminar-inhaltlich sogar Sinn machen kann, wenn es darum geht, gleichen Wissensstand in die Abteilung oder Bereiche zu bringen.

Aber haben denn alle den gleichen Trainingsbedarf? Und ist das Personalentwicklungs-Arbeit, die dem Unternehmen dient, wenn es darum geht, weitere Human-Reserven zu erschließen und Sozial-Kompetenzen zu verstärken?

Zwei Regeln fürs Leben
Aus diesen Fragen habe ich zwei zentrale Erkenntnisse abgeleitet. Die erste Erkenntnis: Du bist wie Du bist, und bleib Dir selber treu! Versuche nicht als Führungskraft, Verkäufer oder Trainer eine Kreuzung aus Alexander dem Großen, Albert Einstein und Thomas Gottschalk zu werden. Also bleibe authentisch und folge Deinem Naturell. Platon betonte mit "Sei der, der Du sein kannst!" die Einmaligkeit eines jeden von uns! Daraus ergibt sich für Trainer und Teilnehmer die Konsequenz, äußeres Verhalten und Sprechen mit der inneren Wahrheit in Übereinstimmung zu bringen. Daraus die Ableitung des Lernziels: Authentizität, statt schablonisiertem Rollenverhalten.

Die zweite Erkenntnis: Überschreite Deine "Grenzen". Aber in dem Sinne, dass Du Deine Stärken ausprägst, weiterentwickelst. Denn Du sollst zwar auch an Deinen "Begrenzungen" arbeiten. Deine Begrenzungen werden aber nie Deine besonderen Stärken werden können.

So wird ein Marathon-Läufer auch mit Hanteln und Gewichten trainieren müssen (und daher von seiner Konstitution her an seinen Begrenzungen arbeiten), wenn er eine Top-Leistung erreichen will. Die Arbeit mit Gewichten wird für ihn aber einen ganz anderen Stellenwert haben als für einen Schwerathleten. Ein guter MarathonLäufer kann nicht zugleich auch eine überragende Leistung z. B. im Kugelstoßen erzielen. Denn: Bestimmte menschliche Eigenarten und Fähigkeiten bedingen einander, während sich andere gegenseitig ausschließen. D.h., bestimmte Stärken ziehen bestimmte Begrenzungen nach sich!

Welche Stärken solltest Du ausprägen?
Vor dem Bestimmen kommt das Erkennen. Dabei helfen die Erkenntnisse der Biostruktur-Analyse mit ihren Anwendungsformen Structogram und Triogram. Dem Unternehmen kann sie als Potential-Analyse dienen, vor allem wenn es darum geht, Sozial-Kompetenz, Teamfähigkeit, Planungsbefähigung, Durchsetzungsfähigkeit zu entwickeln oder für das Projekt-Team die geeigneten "Player" zusammenzustellen.

Ich starte auch jedes Team-Training mit der Biostruktur-Analyse, um mehr Verständnis der Teilnehmer für ihre Unterschiedlichkeit zu erreichen, mit denen Sie Lern- und Entscheidungsprozesse durchführen.

Da gibt es die "ROT-Dominanten", die sofort an die Pinwand stürzen, die moderieren, Ergebnisse zusammenfassen. Ohne Wissen dieser verhaltens-genetischen Besonderheit besteht in dieser Trainings-Situation für die Teilnehmer, die eine "BLAU-Dominanz" haben, also mehr analytisch, abwägend den Gruppenprozess begleiten, die Gefahr, dass sie sich "untergebuttert" fühlen und das sogar persönlich nehmen und "aussteigen".

Die Situation zeigt sich verstärkt im Assessment-Center, wo die "ROT-Dominanten" mit ihrer Präsenz leicht beeindrucken. Während die Teilnehmer mit "GRÜN-Dominanz" noch dabei sind, eine gute Beziehung zum unmittelbaren Nachbarn und vor allem zum Trainer aufzubauen.

Die Teilnehmer lernen mit ihren Stärken und den Stärken der anderen umzugehen, ohne dabei in eine zusätzliche Konkurrenz-Situation zu geraten. Sie lernen ihre Risiken kennen - nämlich die Gefahr, Stärken so zu übertreiben, dass sie zu Schwächen werden - und sie erkennen, wo ihre Begrenzungen liegen.

Zentrales Ziel: Authentizität
"Bei der Persönlichkeitsentwicklung sind sowohl die genetisch veranlagten als auch die umweltbedingten Aspekte zu beachten", betont Björn Altenberger, STRUCTOGRAM®-Master-Trainer in Hamburg.

Die Biostruktur-Analyse zeigt wesentliche Tendenzen der genetisch veranlagten Grundstruktur der Persönlichkeit auf. Sie wird von aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen der NeuroWissenschaften, Verhaltens-Genetik und Molekular-Biologie darin bestätigt, dass die genetischbiologische (veranlagte) Grundstruktur beim erwachsenen Menschen unveränderbar ist; im Unterschied zu den umweltbedingten (erlernten) Merkmalen der Persönlichkeit.

Der Versuch, Seminar-Teilnehmern Verhaltensweisen "anzutrainieren", die nicht zu ihrer Natur "passen", ist daher zum Scheitern verurteilt. Nur, wenn unterschieden wird, welche Persönlichkeits-Merkmale bzw. Verhaltensweisen dauerhaft und problemlos veränderbar sind und welche nicht, kann realistisch wirkungsvoll und sinnvoll trainiert werden.

Die genetisch-biologischen Aspekte der Persönlichkeit werden jedoch in den meisten Trainings nicht berücksichtigt. Wir huldigen als Trainer noch allzu oft einem grenzenlosen Behaviorismus: alles ist machbar, alles ist veränderbar, alles ist an- und wegtrainierbar. Mit den bekannten Resultaten: frustrierte Trainer, die mit durchaus guten Methoden, noch mehr gutem Willen und viel Energie auf die falsche Basis setzten.

Wir finden das leider besonders häufig bei den Trainern, die sich - weil sie überragende Erfolge als Verkäufer erzielten - später als Trainer selbständig machten und vorwiegend die Teilnehmer nach den Methoden unterrichten, die ihnen genau zu diesen Erfolgen verhalfen. Dabei übersehen sie, dass sie dazu andere verhaltensgenetische Voraussetzungen mitbrachten als die Mehrheit ihrer Teilnehmer.

Ein introvertierter Chef, der ein starkes Absicherungs- und Kontroll-Bedürfnis hat, wird nach einem mehrtägigen Motivations-Seminar zwar neue Erkenntnisse im Kopf verarbeiten, dennoch aber auch in Zukunft Probleme haben, spontan motivierende Begeisterung für die Leistung eines Mitarbeiters auszudrücken. Für uns Trainer heißt dies, dass wir aus einer introvertierten Führungskraft keinen "Motivationskünstler" machen können / sollten. Durch die Beachtung verhaltens-genetischer Eigenarten können wir Lernziele so beschreiben und vor allem Transfer-Strategien entwickeln, dass alle Lerntypen, sprich alle Dominanzen unserer Teilnehmer angesprochen werden.

Also Planspiele, viel Quellenmaterial und viel Zeit für die "BLAU-Dominanten", affektiv-gesteuerte, authentische Rollenspiele, Kreativitätstechniken, Vertrauensübungen und Teamarbeit für die "GRÜN-Dominanten", und ganz viel "Hier- und Jetzt-Situationen" mit Raum für Spontaneität, Motivation und ganz viel Improvisations-Gelegenheit für die "ROT-Dominanten".

Fazit
Die Stimmigkeit zwischen der veranlagten Persönlichkeits-Struktur eines Menschen und seinem erlernten Verhalten (Authentizität) ist eine zentrale Voraussetzung für seinen Erfolg, und dies setzt die bewusste Kenntnis der eigenen Persönlichkeit voraus. Nach meinen Erfahrungen können wir mit diesen Erkenntnissen zu mehr Effizienz im Training und in der Personalentwicklung beitragen. In diesem Sinne hat sich durch den Einsatz der Biostruktur-Analyse bereits einiges innerhalb der Trainings-Didaktik und -Methodik verändert und wird es wohl in Zukunft noch stärker tun. Peter Schmitt, ist STRUCTOGRAM®-Master-Trainer und war langjähriger Präsident und VizePräsident (Training) des BDVT-Berufsverband Deutscher Verkaufsförderer und Trainer.

Peter Schmitt STRUCTOGRAM®-Master-Trainer
Barghof 7, 22850 Norderstedt
Tel. 040-52983767, Fax 040-52983769
info@peter-schmitt-training.de
www.peter-schmitt-training.de
www.structogram.de

Quelle: TKB, Ausgabe Nr.45

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